Belletristische Bücher über Rassismus,  Klassiker,  Rezensionsexemplare

Rezension: “Ein anderes Land”

Ein anderes Land, ist ein weiterer großartiger Roman von James Baldwin, aus dem dtv Verlag, der aktueller leider gar nicht sein könnte.

Inhalt:

Warum hat Rufus Scott – ein begnadeter schwarzer Jazzer aus Harlem – sich das Leben genommen? Wegen seiner Amour fou mit der weißen Leona, einer Liebe, die nicht sein durfte? Verzweifelt sucht Rufus’ Schwester Ida nach einer Erklärung. Aber sie findet nur Wahrheiten, die neue Wunden schlagen, – auch über sich selbst. Wie ihr Bruder war Ida lange bereit, sich selbst zu verleugnen, um ihren Traum zu verwirklichen, den Traum, Sängerin zu werden. Wie ihr Bruder hat sie ihre Wut auf die Weißen, die sie diskriminieren. Bis jetzt.

Meinung:

Der Autor fängt poetisch und schonungslos ein, was Rassismus in den Seelen der Menschen anrichtet. Es ist ein lauter Appell an die freie Liebe, Akzeptanz, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Dabei zeichnet der Roman ein bedrückendes Panorama der dunklen US-amerikanischen Gesellschaft, der 60er Jahre, zeigt aber auch, dass sich leider in vielen Bereichen nicht so viel verändert hat. Damit ist das Werk auch wahnsinnig aktuell, gibt Denkanstöße und hält einen den Spiegel vor.

“Wie steht man das alles durch? Wie lebt man, wenn man nicht lieben kann? Und wie lebt man, wenn man liebt? …”

Das alles ist in einer wunderschönen, klugen, eindringlichen, aber auch bildhaften und poetischen Sprache verpackt, die einen in seinen Bann zieht und bewegt.

Die meisten weißen Figuren im Buch verschließen die Augen vor Rassismus oder spielen ihn herunter. Andere Figuren belügen sich auch selbst, indem sie etwa ihre eigene Bisexualität verdrängen oder sich ihre heterosexuelle Beziehung schönreden.

In diesem Buch werden sehr viele wichtige Themen angesprochen, die zeigen, wie wichtig Toleranz, Verständnis Liebe und Vertrauen sind. Das Buch ist wunderschön und schrecklich traurig zugleich, bewegt tief und hallt nach.

“Es ist sehr scher, damit zu leben,… Ich meine, mit dem Gefühl, dass man nie das ist, was man zu sein scheint – nie -, und andererseits ist das, was man zu sein scheint, in gewisser Weise wahrscheinlich fast genau das, was man ist. …”

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